Wenn das Bad renoviert werden muss: barrierefrei nachrüsten ohne Vollumbau

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Ein weiterer Aspekt, der oft vergessen wird, ist die Bewegungsfreiheit. Messen Sie die Gänge zwischen Insel, Tisch und Schränken – mindestens 120 Zentimeter sind ideal, damit zwei Personen aneinander vorbeikommen. Wenn der Raum schmal ist, verzichten Sie auf eine Insel und nutzen eine Halbinsel, die an einer Wand befestigt ist. Das spart Platz und bietet trotzdem zusätzliche Arbeitsfläche. Achten Sie auch darauf, dass die Türen von Schränken und Geschirrspüler nicht mit dem Tisch kollidieren – das passiert häufiger, als man denkt.

Die richtige Höhe entscheidet über Komfort und Nutzung Die Höhe des Unterschranks muss zur Höhe des Waschtischs passen. Üblich sind 70 bis 80 Zentimeter Gesamthöhe, aber die individuelle Körpergröße der Nutzer ist wichtiger als Normen. Stehen Sie vor dem geplanten Ort und simulieren Sie mit einem Karton oder einer Holzkiste die Höhe. Ellenbogen sollten beim Händewaschen entspannt auf Höhe des Beckenrands liegen. Ein verbreiteter Fehler ist, den Unterschrank zu hoch zu planen, was zu Rückenschmerzen führt – besonders bei Kindern oder kleinen Erwachsenen.

Ein weiterer Aspekt ist die Optik. Hohe Nischen wirken oft isoliert. Streichen Sie die Innenseite in derselben Farbe wie die umgebende Wand, um die Struktur zu betonen. Oder setzen Sie bewusst einen Kontrast mit einer dunklen Rückwand, um die Tiefe zu unterstreichen. Achten Sie bei der Wahl der Materialien auf Feuchtraumtauglichkeit, wenn die Nische im Badezimmer liegt. Einfache Spanplatten quellen auf – besser sind Siebdruckplatten oder PVC-beschichtete Profile. Vergessen Sie auch die Beleuchtung nicht: Eine schmale LED-Leiste an der Decke der Nische macht den Inhalt gut sichtbar und verhindert, dass Gegenstände im Dunkeln verschwinden.

Beim Einrichten der Zonen sollten Sie auch an die Nutzung am Abend denken. Wenn Sie gerne Gäste empfangen, braucht der Essbereich mehr Platz als nur für zwei Personen. Klappstühle oder eine ausziehbare Tischplatte sind praktisch, ohne dauerhaft Raum zu beanspruchen. Für die Arbeitszone gilt: Eine gut beleuchtete Fläche mit Steckdosen ist wichtiger als ein schicker Schreibtisch. Planen Sie die Beleuchtung in drei Ebenen: Deckenlicht für die Grundhelligkeit, Spots für die Arbeitsflächen und eine dimmbare Lampe über dem Tisch. So schaffen Sie Atmosphäre und Funktion zugleich.

Bei der Toilette sollten Sie eine höhere WC-Keramik wählen (mindestens 46 cm Sitzhöhe) oder einen Toilettenaufsatz nachrüsten. Die Spülung sollte leicht erreichbar sein – eine berührungslose Auslösung oder ein großer Druckknopf an der Seite sind praktisch. Eine Wandverkleidung im WC-Bereich erleichtert die Reinigung, aber achten Sie darauf, dass die Installation von Stützgriffen an diesen Wänden möglich bleibt. Vermeiden Sie scharfe Kanten an Waschtisch und WC – sie sind bei Stürzen gefährlich.

Bei der Nachrüstung eines barrierearmen Badezimmers im Bestand geht es nicht darum, aufwendige Umbauten zu planen, sondern gezielt die kritischen Punkte zu entschärfen. Bevor Sie Maßnahmen ergreifen, sollten Sie zunächst die tatsächlichen Nutzungsanforderungen klären: Wer nutzt das Bad, welche Einschränkungen bestehen bereits, und welche sind in den nächsten Jahren zu erwarten? Nur so vermeiden Sie, dass Sie Lösungen einbauen, die später nicht den Alltag erleichtern.

Der Waschtisch sollte so montiert werden, dass er mit einem Rollstuhl unterfahrbar ist. Das bedeutet: Die Vorderkante darf nicht tiefer als 67 cm sein, und die Unterkante muss mindestens 67 cm über dem Boden liegen. Wählen Sie einen Waschtisch mit zentralem Abfluss und einer Einhebelmischbatterie mit langem Hebel. Achten Sie darauf, dass die Armatur nicht zu nah an der Vorderkante angebracht ist – so spritzt das Wasser nicht nach vorn. Ein Spiegelschrank mit Beleuchtung ist hilfreich, aber für Rollstuhlnutzer sollte der Spiegel zusätzlich kippbar oder in einer niedrigeren Höhe angebracht sein.

Stützgriffe und Waschtisch: Sicherheit ohne Krankenhausflair Stützgriffe sind das Herzstück der Barrierefreiheit. Sie müssen nicht nach medizinischem Standard aussehen – es gibt Modelle, die als Handtuchhalter oder Seifenschale gestaltet sind. Entscheidend ist die fachgerechte Montage: Befestigen Sie sie immer an der Wand, nicht an der Duschwand aus Leichtbau. Verstärken Sie die Wand mit einer Spanplatte oder einem Montagesystem. Prüfen Sie, ob die Griffe eine rutschfeste Oberfläche haben und ob sie auch senkrecht montiert werden können, um das Aufstehen vom WC zu erleichtern.

Die einfachste Lösung ist ein Einbauregal aus Holz oder Metall, das Sie selbst zuschneiden. Messen Sie Breite, Tiefe und Höhe der Nische an der obersten und untersten Kante sowie in der Mitte. Weicht das Maß um mehr als einen Zentimeter ab, sollten Sie die Regalböden einzeln anpassen. Ein typischer Fehler ist es, sich auf die vordere Kante zu verlassen – oft ist die Rückwand der Nische schief oder verputzt. Planen Sie deshalb pro Regalboden einen individuellen Zuschnitt. Verwenden Sie stabile Winkel oder unsichtbare Regalträger, die in die Seitenwände geschraubt werden. Achten Sie darauf, dass die Träger das Gewicht späterer Gegenstände tragen; schwere Bücher oder Aktenordner benötigen eine dickere Plattenstärke.